Zentralabitur

 


Was ändert das Zentralabitur in den Schulen? Wie bereiten sich Schüler und Lehrer auf Stoffe und die nötige Sicherheit vor? Zwei Berichte zeigen Vorgehensweisen und erste Erfahrungen mit den Tests:

 

Lob der Norm, Kritik der Norm

 

Logo des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums "Zentralabitur: Lernaufwand größer" titelt die WZ einen Bericht aus Wuppertal. Der Lernaufwand beschäftigt die Schüler, die Sinnhaftigkeit der Normen entzweit die Lehrer. Ab 2007 geht es an Gymnasien in Nordrhein- Westfalen rund: Die Abituraufgaben werden von landesweit bestimmten Lehrern vorbereitet - somit werden sie für alle Schüler gleich sein.Wuppertal. Im nächsten Jahr wird nun auch in Nordrhein-Westfalen das Zentralabitur eingeführt. Betroffen sind 2007 Gymnasien, Gesamtschulen und Abendschulen - also Einrichtungen, die einen regulären Abitur-Abschluss anbieten. Die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 2006/2007 sind die Ersten, die das Zentralabitur absolvieren müssen.

(...) JUZ-Reporterin Muriel Raimund hat sich am Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium umgehört. Auch hier bereiten sich Schüler und Lehrer auf das Zentralabitur vor. Die Lehrer dieser Schule haben unterschiedliche Meinungen über die bevorstehende Neuerung.

Oberstufenkoordinator Jochem Schnur unterrichtet Mathematik und Informatik und meint, dass durch die vorgeschriebenen Bewertungskriterien "weniger Arbeit für die Lehrer" da sein werde. Diese müssen die Leistung eines Schülers in der Klausur mit den vorgeschriebenen Erwartungen an die Noten vergleichen und danach die individuelle Note eintragen. "Ich finde es sehr gut, dass das Verfahren genormt ist," fügt er hinzu. "Denn vieles erledigt sich dann."

Adelheid Herkenrath, Lehrerin für Deutsch und Französisch, ist jedoch anderer Meinung: "Die Leistungen der Schüler in Deutsch sind nicht in einem Punkteschema erfassbar. Individuelle, kreative, phantasievolle Bearbeitungen lassen sich nicht in einem Raster erfassen." "Außerdem erscheint die Punktevergabe oft willkürlich," fügt sie hinzu.

Einige Schüler des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums haben schon eine Probeklausur hinter sich. "Es waren ganz viele Blätter in Mathe", berichtet Thekla Seitz (17), Schülerin der Jahrgangsstufe 13. Paul Herbertz (20), Schüler der 13, stimmt Thekla zu. "Die Zeit war zu kurz. Es waren zu viele Aufgaben." Die Aufgaben waren dazu noch in viele Teilaufgaben unterteilt.

"Man wusste nicht, was erwartet wird," fügt Daphna Argor (18), Schülerin der 13, noch hinzu. "Die Aufgabenstellungen waren unklar", bemerkt Mirjam Milsch (18), ebenfalls Schülerin der 13.

Für die Prüfungen im Zentralabitur müssen die Schüler viele Details wissen und dieses Wissen in den Klausuren (zum Beispiel auch aus der Mittelstufe) abrufen. "Der Lernaufwand ist ungleich höher," sagt Thekla. Auch Paul ist der Meinung, dass der Aufwand zwar größer sei, aber man bei guter Vorbereitung gut zurecht komme. Daphna entgegnet jedoch: "Der Lernaufwand ist größer. Jetzt weiß man nicht mehr, was dran kommt."

In ganz NRW wird über das Zentralabitur und dessen Folgen diskutiert. Auch die Schüler haben Erwartungen und Befürchtungen. "Bei allen Schulen braucht es ein paar Jahre für die Routine," meint Paul. Sebastian Luhn (19), Schüler der 13, hofft, dass man alles besser vergleichen kann. Er hat jedoch die Befürchtung, dass die Schulen wegen des Zentralabiturs im Wettbewerb stehen werden.

07.09.06, Von Muriel Raimund (Quelle: http://www.wz- newsline.de)

 

Proben für Geheimhaltung

 

Von einer Probe für das Zentralabitur an Wuppertaler Gesamtschulen und Gymnasien berichtet die WZ unter dem Titel "Klausuren in Stufe 12: Schüler üben für das Zentralabitur".

Seit dieser Woche laufen die Probearbeiten. Getestet wird dabei auch die Geheimhaltung.

Wuppertal. Die Generalprobe läuft: Seit Montag sitzen auch die Wuppertaler Zwölftklässler der Gymnasien und Gesamtschulen an ihren Probeklausuren und üben für das Zentralabitur. Denn eben jene Schüler der zwölften Jahrgangsstufe sind es, die im kommenden Schuljahr als erste in NRW ein Abitur nach zentralen Aufgabenstellungen zu bewältigen haben werden.

Nach Kenntnis der Sprecher der Schulformen sind quasi alle Schulen mit von der Partie, wenn auch nicht jede Schule in jedem Fach Zentral-Prüfungen ablegen. Die Übungsklausuren selbst laufen in den Fächern Deutsch (8. Mai), Englisch (12. Mai), Biologie (15. Mai), Geschichte (19. Mai) und Mathematik (22. Mai).

Besonderheit: An die Prüfungsaufgaben, die via Internet zu bestimmten Terminen für die einzelnen Fächer zur Verfügung gestellt werden, kommen ausschließlich die Schulleiter ran. Erst kurz vor dem Prüfungstermin werden diese Klausuren dann vervielfältigt und verteilt. Geheimhaltung steht also ganz oben auf der Prioritätenliste in Zusammenhang mit der Einführung des Zentralabiturs.

Ein Umstand, der an der Gesamtschule Langerfeld übrigens zu einem ungewöhnlichen Vorgehen geführt hat. Weil Schulleiter Rainer Dahlhaus eine Tochter hat, die die zwölfte Stufe der Schule besucht, hat die stellvertretende Schulleiterin die Papiere aus dem internet geholt und im Tresor untergebracht.

Ein weiteres Hauptaugenmerk gilt der Korrektur. Schließlich soll, so Karl W. Schröder, Leiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums und Sprecher der Wuppertaler Gymnasien, auch ein Schema entwickelt werden, um die zentral gestellten Prüfungen möglichst einheitlich zu bewerten. Korrigiert wird übrigens durch den Fachlehrer, ein Zweitkorrektur gehört aber dazu.

Weiteres Ziel dieser Testprüfungen, die für die Zwölftklässler wie Klausuren gewertet werden: die Lerninhalte abgleichen. Bei den Testprüfungen kann es deshalb durchaus sein, dass doch nicht die zentrale Prüfung, sondern eine vom Fachlehrer vorbereite Arbeit auf den Tisch kommt. Das kann ausnahmsweise dann der Fall sein, wenn man zum Beispiel im Unterricht noch nicht so weit war.

Die ersten Eindrücke? Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium hat sich im Fach Deutsch noch nicht beteiligt, hat also noch keine Erkenntnisse. Rainer Dahlhaus von der Gesamtschule Langerfeld spricht von einem "unaufgeregten" Ablauf.

10.05.06, Klaus Koch (Quelle: http://www.wz- newsline.de)

 

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