Schulwahl

 

Eltern sollen nur noch ein eingeschränktes Mitspracherecht bei der Wahl einer weiterführenden Schule für ihre Kinder haben. So will es die CDU- FDP- Landesregierung von NRW. Das Kabinett hat 13.12.2005 die Eckpunkte der Gesetzesnovelle beschlossen.

Ein Oberverwaltungsgericht hat im August 2007 die Verfassungsmäßigkeit des Übergangsverfahrens von der Grundschule in die weiterführenden Schulen bestätigt (http://www.presseservice.nrw.de/presse2007/08_2007/070806MSW.php).

Wie denken Eltern vor Ort? Ein Zeitungsbericht bietet Einblicke:

 

Lehrermeinung und Elternwille

 

"Unterricht in der Klasse 4b der Grundschule Dierath: Nach dem Willen der Landesregierung sollen künftig die Lehrer und nicht die Eltern das letzte Wort bei der Entscheidung über die weiterführende Schule haben.

"Eingriff in die Kompetenz der Eltern"

Der Entwurf zum neuen Schulgesetz trifft auf viel Skepsis. Auch in Burscheid sind die Meinungen geteilt. "Ich sehe die Wünsche und Ängste der Eltern. Ich sehe aber auch, dass viele Eltern ihre Kinder falsch einstufen und sie überfordern." Irmgard Pauleck ist gespalten. Viele Erziehungsberechtigten hätten mit Lehrer-Empfehlungen kein Problem, sagt die Leiterin der Grundschule Dierath. Doch einige fühlten sich auch bevormundet. "Wir begrüßen es schon, wenn dem Wort des Lehrers mehr Gewicht beigemessen wird."

(...) Eine Entscheidung allein in den Händen der Lehrer würde Schulleiterin Pauleck aber nicht begrüßen: Sie wünscht sich, mit den Eltern auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Darauf setzt auch Veronika Sommerfeld, Leiterin der EMA-Grundschule in Hilgen. Am besten sei eine gemeinsame Lösung von Eltern und Lehrern. Jedoch sollten Eltern auf die Empfehlungen der Lehrkräfte auch hören. "Der Vorteil der Lehrer ist, dass sie einen Vergleich zwischen den Schülern haben. Eltern tun ihren Kindern keinen Gefallen, wenn sie sie überfordern."

Kritischere Töne schlägt Friedhelm Julius Beucher (Montanusschule) an. Der Entwurf sei eine "Pseudo- Solidarisierung mit dem Lehrergutachten". Das Gutachten sei unverzichtbar, die Entscheidung dürfe den Eltern aber nicht weggenommen werden. "Das ist eine Schwächung des Elternwillens." Unter den Eltern selbst gehen die Meinungen weit auseinander.

Peer Steyer ist Vater zweier Kinder. Sowohl seine Tochter als auch sein Sohn besuchen die zweite Klasse der Grundschule in Dierath. Er steht dem neuen Gesetzesentwurf positiv gegenüber: "Natürlich will man als Eltern mitreden. Aber die Lehrer sehen die Kinder fast sechs Stunden am Tag und können besser beurteilen, für welche weiterführende Schule sie geeignet sind."

Die Söhne von Annette Frese gehen in die erste und dritte Klasse der Dierather Grundschule. "Es gibt Vor- und Nachteile. Ich würde aber schon auf die Lehrer vertrauen. Immerhin haben sie die schulischen Leistungen der Kinder besser im Auge", sagt die Mutter. Und was passiert, wenn ein Lehrer mit seiner Empfehlung falsch liegt? "Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, dann würde ich mich auch wehren", stellt sie klar.

Was viele Eltern nicht wissen, ist, dass nicht der Klassenlehrer alleine über die weitere Schullaufbahn des Kindes befinden soll. "Alle Lehrer, die das Kind unterrichten, entscheiden gemeinsam", erläutert Pauleck. Doch nur den Lehrern will Ilka Wirtz die Entscheidung nicht überlassen. "Ein kleines Mitspracherecht sollte jeder haben. Damit wird doch in die Kompetenz der Eltern eingegriffen", sagt die Mutter, deren Tochter die dritte Klasse der Grundschule Dierath besucht.

Allerdings besteht die Gefahr, dass Spätzünder durch die Empfehlung der Lehrer benachteiligt werden. "Niemand kann die Zukunft eines Kindes voraussehen", sagt Stefanie Franke, Sportund Klassenlehrerin an der Grundschule Dierath. "Ich finde es besser, wenn mehrere Instanzen entscheiden. Selbst wenn man ein Kind vier Jahre begleitet hat, ist man sich nicht sicher. Alleiniges Recht möchte ich nicht haben."

Damit liegt sie auf einer Linie mit Mutter Jennifer Schmitz. Angesichts der Klassengrößen könne ein Lehrer ein Kind auch nach vier Jahren nicht abschließend beurteilen. "Beide Seiten sollten entscheiden." Im Januar wird der Gesetzesentwurf den Verbänden und anschließend dem Landtag vorgelegt.

16.12.05, Von Justine Kocur (Quelle: http://www.westdeutsche-zeitung.de)

 

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