Schule und Wirtschaft

 

"Die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und der Wirtschaft ist – nicht erst seit PISA - notwendiger denn je." Dazu bekennt sich die Stadt Wuppertal (Schule und Wirtschaft - mehr Chancen durch Kooperation). Einen Überblick zu entsprechenden Aktivitäten in der Region Wuppertal bietet die Website KURS21 zum Projekt "Schulen unternehmen Zukunft - Lernpartnerschaften für Nachhaltigkeit" (http://www.kurs-21.de).

Die Presse zeichnet ein vielschichtiges Bild der Beziehung von Wirtschaft und Schule. Unternehmen oder Unternehmensverbände unterstützen besondere Unterrichtsprojekte, stehen als Trainings- Partner bei der Vorbereitung von Bewerbungen bereit und vieles andere mehr für Schüler und auch für Lehrer.

Für die Schüler gibt es bei dem im folgenden beschriebenen Beispiel Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen und Praktika. Das Lehrerkollegium wiederum darf beispielsweise bei realen Einstellungsgesprächen hospitieren - oder eben in den Ferien arbeiten und so eigene praktische Erfahrungen machen.

 

Unternehmen in die Schulen

 

Der WDR berichtete über Erfahrungen in einer Krefelder Schule unter dem Titel "NRW will mehr Kooperationen zwischen Wirtschaft und Schulen"

"Gleich drei Ministerien in NRW wollen, dass Schulen und Betriebe häufiger miteinander kooperieren: Schul-, Wirtschafts- und Arbeitsministerium hoffen, dass jungen Menschen dadurch mehr und bessere Perspektiven eröffnet werden. Auch wenn es in einigen Städten noch Nachholbedarf gibt, laufen viele Projekte bereits sehr gut. Zum Beispiel in Krefeld.

Praktische Erfahrung statt nur Theorie

Es quietscht, dass sich einem die Fußnägel aufrollen wollen. Wer den Werkraum der Bischöflichen Maria- Montessori-Gesamtschule in Krefeld betritt, braucht starke Nerven - oder Ohrenschützer. Denn hier wird Metall mit der Feile bearbeitet. Lehrer Winfried Kappes gibt den Achtklässlern Anweisungen, seine Stimme ist lauter als das Quietschen. Und was er sagt, hat Hand und Fuß. Denn der 37-Jährige hat in den Herbstferien in der Ausbildungswerkstatt von ThyssenKrupp Nirosta gearbeitet. Freiwillig, im Rahmen der Kooperation zwischen Schule und Unternehmen. "Für mich war das eine ganz wichtige Erfahrung. Ich habe mir für den Unterricht natürlich viel angelesen, aber dort bekam ich Wissen aus erster Hand - sowohl von den Ausbildern als auch von den Auszubildenden", sagt Kappes.

Hoher Nutzwert für beide Seiten

Seit über zwei Jahren kooperiert die Gesamtschule mit dem Industrie-Riesen Thyssenkrupp Nirosta (TKN), der ebenfalls in Krefeld sitzt. Die Unternehmer am Niederrhein regten seinerzeit an, eine Schulpartnerschaft einzugehen. Seit 2004 gibt es nun für die Schüler Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen, Praktika. Das Lehrerkollegium wiederum darf beispielsweise bei realen Einstellungsgesprächen hospitieren - oder eben in den Ferien bei TKN arbeiten. Aber auch das Unternehmen hat etwas von der Zusammenarbeit. "Es geht hier nicht nur ums Image", so TKN- Mitarbeiterin Julia Martin. Die Diplomkauffrau zeigt den Achtklässlern, was bei Bewerbungen wirklich wichtig ist, worauf Unternehmen achten. "Wir sehen hier auch Schüler, die nachher zu uns passen würden. Und wir erfahren, was wir kompensieren müssen, was die Schule nicht geschafft hat." Darüber hinaus bekommt TKN durch den intensiven Austausch mit den Lehrern viele Anregungen und Tipps für die eigenen Azubis.

Engagement bleibt nicht im Verborgenen

Partnerschaften wie jene in Krefeld kann es aus Sicht des Schulministeriums gar nicht genug geben. Gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Thoben geht Schulministerin Sommer in genau die Kommunen, die sich noch schwer tun mit Kooperationen - zum Beispiel Herne, Bergheim oder Solingen. Mit ihren Veranstaltungen greifen die Ministerinnen die Aktion "Partnerbetrieb für jede Schule in NRW" aus dem Arbeitsministerium auf. Viele Köche, ein Ziel: Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft soll zum Bestandteil des schulischen Alltags werden. Barbara Sommer gegenüber WDR.de: "Zu einer modernen Allgemeinbildung gehören für mich theoretische und praktische Fähigkeiten sowie soziale und individuelle Kompetenzen. Um diese nachhaltig zu fördern, können unsere Schulen auf intensive Kontakte zur Berufs- und Arbeitswelt nicht verzichten." So ließen sich auch Berufswünsche konkretisieren und Fehlentscheidungen vermeiden.

Engagierte Lehrer: Das A und O

Die Zahlen von Unternehmen, die Schulen unterstützen, steigen seit 2004 kontinuierlich. Zurzeit arbeiten im landesweiten Durchschnitt 42 Prozent der weiterführenden Schulen mit der Wirtschaft zusammen - 100 Prozent sind allerdings das erklärte politische Ziel. "Wenn sich jemand vor Ort kümmert, dann geht es oft auch sehr schnell mit der Kooperation", so Hermann Meuser von der Stiftung "Partner für Schule NRW". Den kleineren Betrieben falle es aber oft schwer, sich zu engagieren, denn "eine Schulpartnerschaft ist auch viel Arbeit, das darf man nicht verschwiegen", so Meuser.

Die Lehrer an der Krefelder Gesamtschule wollen - trotz des auch für sie nicht geringen Aufwandes - die Schulpartnerschaft unbedingt fortführen. Und ihre Schüler auch: "Es ist total interessant zu sehen, wie streng die Einstellungstests durchgeführt werden und was da alles drankommt", so Julia Harnisch. "Aber ich habe durch die guten Einblicke auch gleich gemerkt: Das ist nichts für mich." Auch Julias Klassenkamerad Benjamin Ruland konnte sich nach dem real durchgespielten Einstellungstest zum Bürokaufmann bei TKN selbst besser einschätzen. Für ihn ist klar: "Ich könnte mir schon vorstellen, so was als Beruf zu machen."

Von Christian Herrmanny, Sendung vom 6. Oktober 2004 (Quelle: http://www.wdr.de)

Lese-Tipp: "Trend: Partnerschaften zwischen Schulen und Firmen" (http://www.wdr.de/tv/service/familie/)

 

Projektunterricht mit Unterstützung aus der Wirtschaft

 

Ungewöhnliche Angebote sind möglich, wenn Lehrer personell von der Universität unterstützt werden. Im folgenden Beispiel aus Burscheid kam Unterstützung aus der Wirtschaft hinzu: Die Aktion fördert begabt Schüler, um später unter anderem qualifizierte Techniker in verschiedenen Sparten aus ihnen zu machen.

Unter dem Titel "Schüler sind schwer auf Draht" berichtet die Westdeutsche Zeitung (WZ):

"An der Herbstakademie "Mathematik Naturwissenschaften" des Werner-Heisenberg- Gymnasiums nehmen auch junge Burscheider teil.

Burscheid/Leverkusen. Zwanzig Zentimeter lang, zehn breit und zehn hoch mit großen Knopfaugen so patroulliert der Lego-Roboter vor der Tür zum Klassenraum hin und her. (...) Kleine Techniker der Klassen 4, 5 und 6 unter anderem von Burscheider Schulen zeigen in diesen Tagen im Werner- Heisenberg-Gymnasium (WGH) ihre technischen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten in der Herbstakademie "Mathematik Naturwissenschaften" an der Lützenkirchener Schule. Insgesamt 62 Kinder nehmen an dem Projekt teil. Ganz selbstverständlich sitzen die Zehn bis Zwölfjährigen vor ihren Monitoren, halten das Programmiermodul in Richtung PC und kontrollieren die neu eingegebene Funktion durch einen Probelauf auf ausgebreiteten Leitflächen auf dem Boden. (...)

Unterstützt wird das Projekt vom Ministerium für Schule, Jugend (MSJK) und Kinder Nordrhein-Westfalen sowie vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Unter dem Logo "Think ING" zielt die Aktion auf die Förderung begabter Schüler, um später unter anderem qualifizierte Techniker in verschiedenen Sparten aus ihnen zu machen.

Im Gymnasium stehen den Kindern für die drei Akademietage sieben hauseigene Lehrkräfte zur Seite sowie Michael Ligocki von der Universität Bonn. Er betreut eine Etage unter den quicklebendigen Robotern, zwei weibliche und zehn männliche Chemiebegeisterte bei ihren Experimenten mit Kupfersulfat oder auch Ammoniumthiocyamat. Kirsten und Ilona vom Freiherr- vom- Stein-Gymnasium erweiten dabei ihre Erfahrungen, die sie zu Hause bereits mit ihren Chemie- Baukästen gemacht haben. Frederik Reske, aus der Klasse 5f des WHG, erarbeitet sich selbst Tabellen, welche Essenzen sich in welchen Verbindungen in Rot oder Blau verwandeln.

Jérome Vollborn ist einer der beiden Glücklichen, die die Gemeinschaftsgrundschule Dierath auserwählte hat, um an der Herbstakademie teilzunehmen. Er kontrolliert die gezüchteten Kristalle, die in Wassergläsern zu winzigen Oktaedern und Salzquadraten trocknen und hat keine Probleme, die Ausgangsmineralien von Malachit zu nennen. (...)"

WZ 21.10.04, Von Ursula Hellmann (Quelle: http://www.wz-online.de)

 

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