Medien und Schule

 

Die Tageszeitung ist für Lehrer neben Fachliteratur, Fernsehen, Rundfunk und Internet eine wesentliche Informationsquelle, um auch aktuelle tagespolitische Ereignisse in den Unterricht einzubinden. Für Lehrerverbände spielen die Tageszeitungen des Landes als Medium für den Transport von Verbandspositionen und Stellungnahmen zu schulischen Entwicklungsprozessen in die an schul- und berufspolitischen Fragen interessierte Öffentlichkeit eine zentrale Rolle.

Viele Eltern achten auf Presseberichte; Schüler ebenso auf das Bild, das von ihnen, ihrer Schule, ihren Lehrern und ihrer Qualifiziertheit für den Arbeitsmarkt in der Presse gezeichnet wird.

Die Medien selbst möchten ihre Zeitungskäufer oder ihre Zuhörer von morgen an ihr Medium heranführen und gewöhnen.

 

Presse und Schule - keine einfache Beziehung

 

Der folgende Auszug aus einem Bericht gibt An- und Einsichten eines Journalisten zum Thema "Die Zeitung und ihre Rolle beim Meinungstransport schulpolitischer Entwicklungsprozesse" wieder. Auch Wünsche an Schulvertreter kommen zur Sprache.

Schwierige Informationsbeschaffung

„… Und alle Zeitungen finanzieren sich letztlich über den Verkauf und die Anzeigen. Wie kommt Bildungspolitisches in die Zeitung? Thomas Durchdenwald spricht von "schulpolitischen Akteuren", die Pressemitteilungen des Kultusministeriums, der Fraktionen und Verbände auswerten und sich mit den Problemen von Schülern und Klagen von Lehrern und Eltern befassen. "Schulpolitik reduziert sich auf zwei Bereiche", sagt Durchdenwald und meint damit "objektive und subjektive Rahmenbedingungen". Letztere seien schwerer darzustellen. Oft sei zum Beispiel nach den Pressekonferenzen des Ministeriums und der Verbände das Wirrwarr größer als zuvor, da die jeweils mitgeteilten "vermeintlichen" Fakten verschieden seien.

Mehr Medieninteresse an Schulen

Welche Rolle spielen die Medien? [Der Redakteur] lässt keine Zweifel aufkommen: "Die Medien spielen die Rolle des Aufklärers." Nach Bekanntwerden der PISA-Studien haben die Medien den Fokus auf die Bildung verstärkt, und zwar unter dem besonderen Aspekt, dass Bildung mitentscheidend sei für die Zukunft eines Landes. Die Medien haben das gewachsene Interesse an Bildungsfragen erkannt und befassen sich nun mehr mit bildungspolitischen Themen als das vor PISA der Fall war.

Informationsansprüche gegenüber der Schule steigen

[Der Redakteur] konkretisiert: "Die Medien aktualisieren die Meinung über die Schule, sie schaffen ein Bewusstsein über den Stand der aktuellen Bildungspolitik, sind Seismographen für schulpolitische Entwicklungsprozesse." Schulen müssten sich nach außen öffnen, auch durch ihre Präsentation. Das Thema Schule sei medienwirksam, deshalb würden Zeitungen in den nächsten Jahren eher noch stärker darüber berichten. Es werde ein starker Druck auf die Schulen zukommen, da Veränderungen im Bildungssystem gefordert würden, prognostiziert [der Redakteur]. Schulen müssten sich dieser Entwicklung stellen. Damit verbunden seien kritische Fragen – auch an die Lehrer. Aber auch die Zeitungen müssten sich fragen, was sie zur Bildung von Schülern beitragen können.

Hoher Aufwand für Journalisten

Ein Problem bei der Umsetzung von Nachrichten und Informationen aus dem Bildungsbereich sei die Begriffsvielfalt auf diesem Gebiet. "Ausuferndes Fachchinesisch" – u.a. Begriffe wie Fächerverbünde, Bildungsstandards, Niveaukonkretisierungen – müssten in ein für Leser verständliches Deutsch übersetzt werden. Und der Zeitaufwand sei groß, wenn man sich Informationen direkt aus den Schulen beschaffen wolle, um zum Beispiel über die "normale Schule" zu berichten, oder darüber, wie sich ein Lehrer fühlt zwischen Forderungen der Kultusbürokratie, Eltern und Schülern.

Eigene Ansichten und Klischees

Wenn über Schule berichtet werde, sei nicht auszuschließen, dass bei Redakteuren auch eigene Schulerinnerungen in die Bewertung von Sachverhalten einfließen. Das gilt auch für Aussagen von Schul- und Bildungspolitikern. "Schließlich war jeder auch einmal Schüler." Daraus speise sich noch bei vielen die Einschätzung über die heutige Schule. "Jeder will da mitmischen." Auch auf das schlechte Image des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit ging [der Redakteur] ein – "daran krankt die Berichterstattung" - und sprach von "Vorurteilen", die viele für bare Münze nehmen, zum Beispiel wenn es um die Arbeitszeit der Lehrer geht. Auch in der an den Vortrag sich anschließenden Diskussion ging es um das immer wieder auftauchende Vorurteil vom nachmittags Tennis spielenden Lehrer. Kritisiert wurde von Schulvertretern, Zeitungen würden kaum darüber berichten, dass Lehrer komplette Wochenenden und ihre Abende mit Korrekturarbeiten verbringen und sich dafür in Kommentaren noch beleidigen lassen müssten. [Der Redakteur] bestätigte die in den Redaktionen vielfach noch existierenden Klischees und riet, "mit etwas mehr Unverschämtheit" auf derlei Vorurteile zu reagieren.

Und die Rahmenbedingungen?

Gefragt wurde in der Diskussion auch nach den Kompetenzen von Redakteuren, die über Schulen und Lehrer berichten. Die Schulvertreter wünschten sich, dass Zeitungen auch über die an den Schulen vorhandenen Rahmenbedingungen schreiben. [Der Redakteur] meinte, es sei nicht Aufgabe einer Zeitung, nur danach zu sehen, wie eine Schule ausgestattet sein müsse, gab aber zu verstehen, dass von der Schule nicht alles verlangt werden könne. Für das, was verlangt werde, müssten auch die Mittel bereitgestellt werden. "Es geht nicht nur um die Ausstattung der Schule, sondern auch um die politische Moral." Zeitungen und Schule sollten im Gespräch bleiben, so [der Redakteur].

Quelle: Hans-Eckhard Giebel berichtete von einer Veranstaltung des Philologenverbands Baden- Württemberg, der Interessenvertretung für beamtete und angestellte Lehrerinnen und Lehrer am Gymnasium. Der Beitrag wurde bearbeitet und gekürzt; Original unter: www.phv-bw.de

 

Presse in der Schule

 

Die Zeitungsmacher präsentieren sich Schulklassen in verschiedener Weise.

 

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