Schülerfirmen, aber wie?

 

Schülerfirmen, Schülerunternehmen oder Schülerbetriebe gehören zu den Schulprojekten, deren Anzahl in den letzten Jahre sprunghaft angestiegen ist. Modellversuche, Förderprogramme, Sponsoring und viele engagierte und erfolgreiche Schüler und Lehrkräfte haben dazu beigetragen, dass viele Schulen ihren Schülern ebenfalls ein solches Angebot ermöglichen wollen. Erziehung zur Selbstständigkeit, wirtschaftliches, aber auch soziales Lernen lauten die Stichworte die in diesem Zusammenhang fallen.
 
Wer ein solches Unternehmen initiieren will, muss sich mit der rechtlichen Situation und den verschiedenen Organisationsformen sind beschäftigen. Die Entscheidung darüber, welcher Rechtsstatus gewählt werden sollte, hängt davon ab, welche Zielsetzung die Beteiligten schwerpunktmäßig verfolgen.
Diese könnten sein: 
  • Ausbildungsvorbereitung
  • Mehr ökonomische Bildung
  • Förderung von Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Eigeninitiative
  • Förderung des sozialen Lernens
  • Praxisorientiertes Lernen
  • Erwirtschaftung von Eigenmitteln für die Schule
  • Einkommen für die Schüler ...
 
Derzeit gibt es vier Modelle, den Rechtsstatus von Schülerunternehmen zu regeln. Welches davon am besten für die konkreten Ziele geeignet ist, sollte vom Projektteam gemeinsam entschieden werden. Schülerfirmen können
  1. als Schulprojekte ohne eigenen Rechtsstatus,
  2. unter dem Dach des Schulfördervereins,
  3. in Zusammenarbeit mit einer Institution, die den rechtlichen Status sichert oder
  4. als Wirtschaftsunternehmen (reale Firma) geführt werden.
 
1. Schülerfirmen als Schulprojekte ohne eigenen Rechtsstatus
 
Diese, am häufigsten Anzutreffende Variante, ist pädagogisch begründet und zielt auf ein handlungsorientiertes, praxisnahes Lernen um die Jugendlichen besser auf Ausbildung und Beruf vorzubereiten. Die Förderung von Eigeninitiative, verantwortlichem Handeln und Teamfähigkeit spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen.
Die Schülerfirmen sind keine realen Firmen, sondern Schulprojekte mit pädagogischen Zielsetzungen, die ähnlich firmenähnlich strukturiert sind. Das heißt z.B., dass sich die Schüler an einer realen Rechtsform orientieren, eine Satzung erarbeiten, Verträge abschließen und ihre Arbeit organisieren. Grundvoraussetzung ist die Anerkennung des Projektes als schulische Angelegenheit durch die Schulleitung und die Einhaltung der Geringfügigkeitsgrenzen für Umsatz und Gewinn. Der zulässige Jahresumsatz darf 30 678€, der Jahresgewinn 3835€ dabei nicht übersteigen. Erfahrungsgemäß werden solche Umsatzzahlen selbst von sehr erfolgreichen Schülerfirmen nicht erreicht.
Unter diesen Voraussetzung können Schülerfirmen rechtlich genauso wie z.B. Arbeitsgemeinschaften bezüglich Aufsichtspflicht und Versicherungsschutz behandelt werden. Es besteht keine Pflicht, sich beim Gewerbeaufsichtsamt anzumelden und Steuern abzuführen. Sollten an einer Schule mehrere Unternehmen tätig sein, darf die Summe der Umsätze und Gewinne die o.g. Grenzen nicht überschreiten.
 
2. Schülerfirma unter dem Dach des Fördervereins
 
Zielsetzung ist dabei über die oben genannte pädagogische hinaus die Gewinnung von Geldmitteln zur Unterstützung der schulischen Arbeit durch den Förderverein. Die Schülerfirma verfügt wie im erstgenannten Fall über keinen eigenen Rechtsstatus. Rechtssicherheit entsteht ebenfalls durch die Anerkennung als Schulveranstaltung durch die Schulleitung. Steuerliche Fragen werden über den Schulverein und das gültige Vereinsrecht geregelt.
Der Förderverein bleibt steuerbefreit, wenn seine Einnahmen inklusive der aus der Schülerfirma erwirtschafteten Gewinne, unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze bleibt. Wird sie überschritten,  ist für eine Steuerbefreiung Voraussetzung, dass der Gewinn ausschließlich für gemeinnützige Zwecke eingesetzt wird. Detaillierte Informationen dazu enthält die Broschüre "Vereine und Steuern", die bei den Finanzämtern erhältlich ist.
 
Nachteilig für diese Variante ist, dass durch die Einbindung der Schülerfirma in den Förderverein, die Entscheidungsfreiheit und der Verantwortungsspielraum für die Schüler ggf. durch höhergestellte Interessen einschränkt wird. Sollte es mehrer tätige Unternehmen an einer Schule geben, können bei dieser Regelung die Geringfügigkeitsgrenzen eher überschritten werden als unter Punkt eins beschrieben.
 
3.Schülerfirmen in Partnerschaft mit Institutionen
 
Beispielhaft sei hier auf das Projekt JUNIOR hingewiesen, eine Initiative des Instituts für Wirtschaft in Köln und zahlreichen Partnern.
 
Die auf ein Jahr befristeten Schülerfirmen (Miniunternehmen) arbeiten unter von JUNIOR vorgegebenen  Rahmenbedingungen, weitgehend selbstständig. JUNIOR unterstützt die Unternehmen mit zahlreichen Maßnahmen und führt einen Wettbewerb unter den teilneh-menden Schulen durch.
 
Zu den Rahmenbedingungen gehört, dass die Firmen als Aktiengesellschaften geführt werden. Verkauf von Anteilscheinen, Jahreshauptversammlung und Dividendenzahlungen  gehören damit ebenfalls zu den Aufgaben. Durch die zeitliche Begrenzung auf ein Jahr, lernen die Schüler nicht nur die notwendigen Schritte von der Unternehmensidee bis zur Umsetzung kennen, sondern darüber hinaus auch die Abwicklung einer Unternehmensauflösung.  
 
Die Partnerschaft mit dem Institut regelt alle rechtlichen Fragen, inklusive einer die Schüler und betreuenden Lehrer umfassende Haftpflichtversicherung. Als von den Kultusministerien anerkannte schulische Maßnahme, sind alle eingeschriebnen Teilnehmer unfallversichert.
 
4. Schülerfirmen als Wirtschaftsunternehmen
 
Diese, sicherlich seltenste Form der Schülerfirma, hat absoluten Ernstcharakter und wird in der Regel nur von volljährigen Schülerinnen und Schülern umgesetzt. Im Vordergrund steht hier die selbstständige, reale Tätigkeit, die einen ebenso realen Verdienst ermöglicht.
 
Juristisch handelt es sich nicht mehr um ein Schulprojekt, sondern um ein Wirtschaftsunternehmen in einer frei gewählten Rechtsform. Die Schule kann dabei lediglich unterstützend und nicht mehr als Schutzraum fungieren. Für die mit der Gründung des Unternehmens entstandene juristische Person sind die Regelungen des Handelsgesetzbuches (HGB) in vollem Umfang verbindlich. Die Schülerfirma verfolgt in erster Linie wirtschaftliche Ziele. Sie muss im Wettbewerb bestehen und Profit erzielen. Pädagogische Überlegungen, wie die Förderung schwächerer Schüler, treten dabei in den Hintergrund.
 
 
Die Frage nach den Rahmenbedingungen ist aber nur eine – wenn auch entscheidende – auf dem Weg zur Schülerfirma. Sie schafft für alle Beteiligten klare Regelungen und legt Kompetenzen fest, die Risiken minimieren und selbstständiges Arbeiten innerhalb der Grenzen ermöglichen.
 
Für alle weiteren Fragen empfehlen wir Schülerfirmen.de. Die Online-Version  der Print-Publikation der deutschen Kinder und Jugendstiftung „Wir gründen eine Schülerfirma“, hat alle relevanten Fragen zusammengetragen und beantwortet. Musterverträge und eine umfangreiche Beispielsammlung gehören ebenso zum Angebot wie die Auflistung von Förderprogramme und Initiativen. Leider ist die Seite nicht mehr ganz aktuell, so dass neue Maßnahmen eventuell nicht aufgeführt sind.

 

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